Woody-Allen-Film

10.01.2018 14:36

„Wonder Wheel“: Rosa Zuckerwatte und viel Drama

Auf den ersten Blick ist es eine kunterbunte, ausgelassene 50er-Jahre-Welt, mit rosa Zuckerwatte, wirbelnden Karussellen und einem leuchtenden Riesenrad: In seinem 48. Regiewerk "Wonder Wheel" (Kinostart: 12. Jänner) entführt der New Yorker Altmeister Woody Allen (82) in den Vergnügungspark Coney Island, auf einer Halbinsel im Süden von Brooklyn, ans idyllische Atlantikufer.

Dort hat der Rettungsschwimmer und Literaturstudent Mickey (Justin Timberlake) ein Auge auf die Strandgänger, doch eigentlich träumt er davon, als Dramaturg berühmt zu werden. Dass "Wonder Wheel" allerdings keine vergnügliche Romanze ist, macht Kate Winslet als verhärmte Imbissstubenkellnerin Ginny den Zuschauern sofort klar.

Die Rolle ist eine Tour de Force für die Oscarpreisträgerin ("Der Vorleser"), von Migräne gepeinigt und von ihrem zweiten Ehemann Humpty (Jim Belushi), einem rüpelhaften Karussellbetreiber, völlig genervt. Müde pendelt die fast 40-Jährige zwischen Herd, Job und Therapiesitzungen für ihren missratenen Sohn aus erster Ehe, der als Brandstifter Ärger macht. Nur in Mickeys Armen ist der Frust vergessen - als Geliebte des viel jüngeren Bademeisters lebt Ginny auf. Eine Paraderolle für Winslet, die alle Gefühlsregister von Leidenschaft, Hoffnung, Schuldgefühlen und Verzweiflung zieht.

Die überraschende Rückkehr ihrer Stieftochter Carolina (Juno Temple) bringt "Wonder Wheel" weiter in Fahrt. Als 20-Jährige war die hübsche Blondine mit einem Mafiagangster durchgebrannt, nun sucht sie bei ihrem entfremdeten Vater in dem turbulenten Vergnügungspark Schutz.

Das sagt "Krone"-Kinoexpertin Christina Krisch zum Film: Die bunten kunstvoll ausgeleuchteten Retro-Bilder des Oscar-prämierten Kameramanns Storaro erwecken die 50er-Jahre-Nostalgie auf glanzvolle Weise. Der visuelle Genuss wird von dem hervorragenden Cast abgerundet, aus dem besonders Winslet und Belushi hervorstechen. Eine melodramatische Studie über enttäuschte Hoffnungen, verfehlte Lebensentwürfe, Leidenschaft, Gewalt und Verrat, die von entfesselten Emotionen lebt. Woodys Theatralik im Rummelplatz-Ambiente besticht.

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