Nach FPÖ-Attacke

08.06.2017 21:56

SPÖ: Kein "Herrscher-Siegel" bei Kanzler-Rede

Der Auftritt von Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) bei der Islamischen Glaubengemeinschaft am Mittwoch hat noch einiges an Staub aufgewirbelt: Wie berichtet, war Kern einer Einladung zum traditionellen Iftar, dem Fastenbrechen im Rahmen des Fastenmonats Ramadan, gefolgt. Er trat als Gastredner auf und erklärte, er wolle auch Bündnispartner der Muslime sein. Dabei sorgte vor allem das Symbol am Rednerpult für Verwirrung - die FPÖ sah rasch einen Skandal, die SPÖ beruhigte.

Das Logo auf dem Pult, hinter dem der Bundeskanzler seine Rede hielt, erinnert an eine sogenannte Tughra: einst das Siegel des osmanischen Sultans, das seinen Herrschaftsanspruch symbolisieren sollte. Die Herrschaftssiegel der verschiedenen Sultane sind in der Türkei heute verboten.

Der Tughra-Stil selbst wird allerdings weiter als gestalterisches Mittel für sehr unterschiedliche Inhalte verwendet - in diesem Fall eben für das Logo des Veranstaltungszentrums Etap.

  • Bundeskanzler Christian Kern und der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft, Ibrahim Olgun
  • Kern bei seiner Rede im Zuge des Fastenbrechens - vorne auf dem Pult das Symbol im Tughra-Stil

FPÖ kritisiert "radikalen Islamismus"
"Kern unterstützt radikale Islamisten!", polterte FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache am Donnerstagabend auf Facebook. Der Kanzler spiele "ein gefährliches Spiel mit der Sicherheit der Österreicherinnen und Österreicher", nur um zusätzliche Wählerstimmen zu ergattern. "Wir haben einen österreichischen Regierungschef, der sich radikal-islamischen Vertretern, die in Österreich und Europa einen Herrschaftsanspruch stellen, als 'Bündnispartner' anbietet. Und das in Zeiten des islamistischen Terrors in Europa und der ganzen Welt."

  • FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache

Neben dem "radikalen" Symbol am Rednerpult sorgte sich Strache außerdem um zahlreiche Vertreter des politischen Islam, die sich bei dem Treffen eingefunden hätten - der FPÖ-Chef berichtete von "Größen der österreichischen Erdogan-Ableger UETD und ATIB sowie den islamistischen Organisationen Milli Görüs und Muslimbruderschaft".

SPÖ kontert: "Nur das Logo des Veranstalters"
Die SPÖ reagierte am Donnerstagabend gegenüber krone.at betont gelassen auf die Vorwürfe. Man werde nicht zu jeder aufgebauschten Meldung Stellung nehmen, aber: "Bei dem Symbol auf dem Rednerpult handelt es sich lediglich um das Logo des Veranstalters" - und nicht etwa um ein "osmanisches Herrscher-Siegel". Die ganze Aufregung sei also fehl am Platz. Ein Statement des Bundeskanzlers werde es dazu jedenfalls nicht geben.

 krone.at
Redaktion
krone.at
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