Cassius Clay?

Das freie Wort
Die Spielchen bzw. Regelüberschreitungen der Anwälte im Buwog-Prozess nehmen offenbar kein Ende. Nachdem eine ganze Advokatenriege den Verfahrensbeginn durch alle erdenklichen Einwände jahrelang hinausgezögert hatte, wurden die Medien, die naturgemäß über die Vorgänge berichteten, der Vorverurteilung bezichtigt. Paradoxerweise bedienen aber die Rechtsvertreter der „Unschuldsvermuteten“ die Medienorgel selbst ganz gewaltig. Allgemein bekannte Mosaiksteinchen in dieser Causa: mehrmalige Ablehnungsanträge gegen die Richterin; Generalunterstellungen, dass Zeugen lügen; untergriffige Attacken auf die Staatsanwälte; oder - besonders kurios - Beschwerden zum Sitzniveau im Gerichtssaal. Der neueste „Strohhalm“ ist die verbotene Kontaktnahme des Grasser-Anwalts Ainedter mit Schöffen, öffentlich ausgesprochene Bedenken (Ö1-Mittagsjournal vom 10. 1.) hinsichtlich deren Objektivität. Man fühlt sich an die Boxkämpfe von Cassius Clay/Muhammad Ali erinnert, der schon im Vorfeld, aber auch während des Kampfes, seine Gegner verbal zu zermürben versuchte. Es kann wohl nicht sein, dass Gerichtssäle zu einer Arena der (unwürdigen?) Spielchen der Verteidiger werden. Meiner Meinung nach wäre hier schon längst ein Einschreiten der Rechtsanwaltskammer fällig. Möge trotz allem eine unabhängige Rechtsprechung die Oberhand behalten!


Mag. Raimund Berger,Deutschlandsberg
erschienen am Sa, 13.1.