Erfüllen wir unseren Bildungsauftrag?

Das freie Wort
Jedem einsichtigen Menschen ist klar, dass unser Land ohne die bestmögliche Ausbildung unseres Nachwuchses im Wettbewerb der Völker zurückfallen und sich mit einem deutlich reduzierten Lebensstandard wird begnügen müssen. Da unsere wunderschöne Heimat vergleichsweise arm an Bodenschätzen ist, kann unser Kapital überwiegend nur aus Wissen, Innovationen, Erfindungen und deren Verwertung bestehen. Was die Bildung betrifft, gibt es grundsätzlich zwei Bereiche, die in einer ausgewogenen Balance zu halten sind: die Erziehung, die Charakter- und Herzensbildung, die zwar nicht unmittelbar wettbewerbsrelevant ist, aber die Grundlage unseres Gemeinschaftslebens darstellt, und der Unterricht, der Bereich der fachlichen Ausbildung, der berufliches Wissen und Können zu vermitteln hat. Wir Österreicher besitzen ein gewaltiges humanistisches und kulturelles Erbe, das zu pflegen und weiterzugeben ist. Es darf einfach nicht sein, dass in unseren Schulen zunehmend diese Werte - auf die wir angeblich so stolz sind - unterdrückt und durch Lehrstoffe überlagert werden, die im Vergleich geradezu armselig sind. Als Beispiel möchte ich nur die Anforderungen im Fach Deutsch für die Matura nennen, wo an der Stelle von Wissen über Literaturgeschichte zunehmend bloß noch das über Textsorten und unzählige Operatoren gefragt ist, was eine drastische Nivellierung des Bildungsniveaus nach unten zur Folge hat. Die uns auf dem Gebiet immer wieder einnebelnden Heucheleien müssen rasch und radikal aus der Welt geschafft werden! Die Ausbildung unserer Kinder sollte möglichst von Unterrichtenden getragen werden, die durch den aktuellen Letztstand ihres Wissens und mehr noch durch ihre Persönlichkeit und emotionale Zuwendung zu den Heranwachsenden imstande sind, den Lehrstoff so spannend und lebendig zu gestalten, dass Begeisterung geweckt wird. Durch Förderung der vorhandenen Begabungen muss dafür gesorgt werden, dass Österreichs Betrieben innovativ agierende Nachwuchskräfte zur Verfügung stehen. Leider muss immer wieder festgestellt werden, dass trotz der im Vergleich zu anderen Staaten hohen Dotierung unseres Bildungsbereiches mit finanziellen Mitteln nur ein geringer Teil der eingesetzten Beträge dort ankommt, wo er seine Wirksamkeit entfalten sollte: in der Qualität des täglichen Schulunterrichts - ein Umstand, der tiefgreifend und nachhaltig verändert werden muss!


Dkfm. Eduard Musil,Wien
erschienen am Mi, 15.11.