Jahrhundertfrost

24.03.2017 16:07

Bioweine: Die Regale sind schon leer

Die Nachfrage nach Biowein ist in den vergangenen Jahren regelrecht explodiert: Wurde 2007 in der Steiermark noch auf 30 Hektar Naturwein angebaut, sind es heute bereits 600 Hektar. Umso bitterer der aktuelle Blick in die Weinkeller: Die Regale sind so gut wie leer, die alljährliche Jahrgangspräsentation wurde abgesagt.

Was sollen wir verkosten, wenn’s nichts zu verkosten gibt?", sagt Biowein-Pionier Otto Knaus aus Sulztal. An die 150 verschiedenen Weine werden bei der großen Jahrgangspräsentation in der Südsteiermark in der Regel aufgeboten, davon kann man heuer aber leider nur träumen: "Zwei, drei Bauern hätten vielleicht mitgemacht, in Summe aber viel zu wenige, um den Gästen etwas bieten zu können", betont der Winzer, der die Veranstaltung in den letzten Jahren organisiert hat.

Dass der Frost die Biobauern noch weit härter als ihre Kollegen mit konventionellem Anbau getroffen hat, liegt in der Natur der Sache: "Ein ,normaler‘ Winzer kann auf einem Hektar mit einem Ertrag von 10.000 Kilo rechnen, bei uns sind es gerade einmal 3000", weiß Knaus. Für die stetig größer werdende Kundenschar bedeutet das nichts Gutes: "Wir haben gerade einmal fünf Prozent der Ernte einfahren können. Ich denke nicht, dass ich mit dem Wenigen überhaupt über die Buschenschank-Saison komme, von größeren Verkäufen ist sowieso keine Rede", sagt der 50-Jährige.

Griss um Bio-Schilcher
Ein ähnliches Trauerspiel herrscht am Weingut Herrgott in St. Stefan ob Stainz: "Wenn ich nicht nebenbei arbeiten würde, ginge nach so einem Ereignis gar nichts mehr. Wir hatten mehr als 95 Prozent Ausfall", ist auch Juniorchef Christian Strohmaier schwer gezeichnet. Bereits 2008 ließen sich die Weststeirer Demeter-zertifizieren, ihr Bio-Schilcher ist äußerst heiß begehrt: "Wir mussten uns in der Region viele Jahre als Spinner schimpfen lassen. Heute könnte ich meinen Weinkeller fünfmal verkaufen", schmunzelt der 31-Jährige. Die große Hoffnung aller Betroffenen: "Dass das Wetter heuer mitspielt und eine frühe Lese möglich ist."

Barbara Winkler, Kronen Zeitung

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