Gewerkschaft warnt:

07.12.2017 16:54

"12-h-Arbeitstag Frontalangriff auf Arbeitnehmer"

Die am Mittwoch von den Koalitionsverhandlern verkündete Einigung auf eine Arbeitszeitflexibilisierung inklusive der Möglichkeit eines Zwölf-Stunden-Arbeitstages sorgt bei Gewerkschaften, der SPÖ und sogar zahlreichen FPÖ-Wählern für Empörung. Es ist von einem "Frontalangriff auf Arbeitnehmer", "mehr Arbeit für weniger Geld" und vom "Ziel der industriellen Wahlkampf-Großspender" die Rede. Die FPÖ spricht von "Fake News" und verteidigt das mit der ÖVP ausverhandelte Wirtschaftspaket.

Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) kommentierte am Donnerstag das Vorhaben von Türkis-Blau: "Wir wissen, dass sich die Arbeitswelt und die Bedürfnisse der Menschen verändern, auch die der Arbeitgeber. Aber es kann nicht sein, dass hier einseitig Vereinbarungen getroffen werden, wo nur die Arbeitgeber profitieren. Von einer neuen Regelung müssten beide Seiten etwas haben. Das sehe ich aber weit und breit nicht." Es könne nicht sein, dass große Industrielle Geld für eine Wahlkampagne spenden und dann werde punktgenau geliefert.

  • Von Bundeskanzler Kern kommt Kritik am Vorhaben von ÖVP und FPÖ.

Für die Produktionsgewerkschaft ProGe ist diese Erfüllung einer langjährigen Forderung der Arbeitgeber unter anderem ein Ergebnis der Großspenden aus der Wirtschaft für den Wahlkampf von ÖVP-Chef Sebastian Kurz. "Die industriellen Wahlkampf-Großspender der türkisen ÖVP haben ihr Ziel nun erreicht", so ProGe-Vorsitzender Rainer Wimmer. Er befürchtet, dass der Zwölf-Stunden-Tag nicht die Ausnahme, sondern die Regel werden wird.

  • Pro-Ge-Chef Rainer Wimmer befürchtet, dass der Zwölf-Stunden-Arbeitstag nicht die Ausnahme bleibt.

AK: "Es geht nicht nur um die Wünsche der Wirtschaft"
AK-Präsident Rudi Kaske warnt wiederum davor, dass die geplante Regelung eine "Einbahnstraße" für die Arbeitnehmer werde, von der nur die Arbeitgeber profitieren würden. "Bei der Arbeitszeit geht es nicht nur um die Wünsche der Wirtschaft. Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer haben ein Recht auf Familienleben und Freizeit", so Kaske. Für den oberösterreichischen AK- und ÖGB-Präsidenten Johann Kalliauer ist der Plan von ÖVP und FPÖ zur Einführung des Zwölf-Stunden-Arbeitstages ein "massiver Angriff auf Arbeitnehmer". Mit den Plänen wolle Türkis-Blau offensichtlich den Zwölf-Stunden-Tag und die 60-Stunden-Woche zum "Normalzustand" machen, so Kalliauers Befürchtung.

  • AK-Chef Rudolf Kaske betont: "Arbeitnehmer haben ein Recht auf Familienleben und Freizeit."

Für Wolfgang Katzian, Vorsitzender der Fraktion der Sozialdemokratischen Gewerkschafter (FSG), bedeuten die Pläne von ÖVP und FPÖ "mehr Arbeit für weniger Geld". Eine Ausdehnung der Arbeitszeit berge die Gefahr, dass Unternehmen die Überstunden zur Regel machten und in Folge die Überstundenzuschläge streichen könnten.

  • Für Gewerkschafter Wolfgang Katzian bedeuten die Koalitionspläne "mehr Arbeit für weniger Geld".

Strache-Fans sauer wegen "Kniefall vor der ÖVP"
FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache geriet am Donnerstag in Erklärungsnot, war er doch früher gegen die Ausweitung der Arbeitszeiten. In einem Interview mit dem "Kurier" hatte Strache im Jahr 2013 von einer "asozialen, leistungsfeindlichen Idee, da dies für alle Arbeitnehmer Nettolohnverluste bedeutetn würde" gesprochen. Unter anderem an diese Position erinnerten den blauen Parteichef seine Fans auf Facebook und übten Kritik an dem "Kniefall vor der ÖVP".

Der angegriffene Koalitions-Chefverhandler verteidigte die Maßnahme als Verbesserung zur derzeitigen Situation und versuchte zu beruhigen: "Niemand wird künftig insgesamt mehr oder länger arbeiten müssen. Wer freiwillig und gelegentlich mehr oder länger arbeitet, bekommt künftig mehr Geld oder Zeitausgleich. Es gibt einige Berufsgruppen, wo das längst angebracht gewesen wäre. Wenn ein Beschäftigter in einer arbeitsintensiveren Woche länger arbeitet, hat er beispielsweise in der darauffolgenden Woche mehr frei und darf sich über ein verlängertes Wochenende freuen. Diese Regelung bedeutet eine Verbesserung für die Arbeitnehmer und deren Familien. Die FPÖ würde niemals einer Verschlechterung zustimmen."

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