Ötzis Rachefeldzug

06.12.2017 15:48

So starb "Der Mann aus dem Eis"

Er ist gemeinsam mit der Bergsteigerlegende Reinhold Messner der bekannteste Südtiroler: Ötzi. Im Jahr 1991 fanden zwei Wanderer die Gletschermumie auf über 3000 Metern Höhe in den Ötztaler Alpen. Mit "Der Mann aus dem Eis" (Kinostart: 7. Dezember) erzählt der deutsche Regisseur und Drehbuchautor Felix Randau die fiktive Geschichte der Mumie - basierend auf wissenschaftlichen Erkenntnissen.

Vor 5300 Jahren in der Jungsteinzeit: Eine Großfamilie lebt friedlich an einem Bach in den Ötztaler Alpen. Ihrem Anführer Kelab (Jürgen Vogel, "Die Welle") obliegt es, den heiligen Schrein zu verwahren. Während Kelab auf der Jagd ist, wird seine Siedlung überfallen und die gesamte Sippe ermordet, darunter auch Kelabs Frau und sein Sohn. Auch das Heiligtum der Gemeinschaft wird geraubt.

Getrieben von Schmerz und Wut hat Kelab nur noch ein Ziel - Vergeltung! Kelab folgt den Spuren der Täter. Auf seiner Odyssee durch das Gebirge ist er den Gefahren der Natur ausgesetzt. Ein tragischer Irrtum macht ihn selbst zum Gejagten. Schließlich steht Kelab nicht nur den Mördern seiner Familie, sondern auch sich selbst gegenüber. Wird er seinem Drang nach Rache nachgeben und selbst vom Opfer zum Täter? Oder gelingt es ihm, den ewigen Kreislauf der Gewalt zu durchbrechen?

Am 19. September 1991 fanden Wanderer auf über 3000 Metern Höhe in den Ötztaler Alpen in der Nähe des Tisenjochs einen Körper im Gletschereis: den Steinzeitmenschen Ötzi, der dort vollständig konserviert, in voller Montur samt seiner Ausrüstung geborgen werden konnte. Heute liegt die älteste erhaltene Feuchtmumie der Welt im Südtiroler Archäologiemuseum in Bozen in einer Eiskammer bei minus 6 Grad. Alle zwei Monate wird sie herausgeholt und mit sterilem Wasser besprüht, damit sie nicht zerfällt.

Ötzi ist typischer Europäer aus der früheren Zeit und daher für die Forschung so wertvoll. Die gut erhaltene Gletschermumie dient Forschern als Modell, an dem wissenschaftliche Methoden etabliert werden, die dann auch an anderen Mumien und Funden angewendet werden. Ötzi ist mit den modernsten analytischen Methoden durchleuchtet bis auf seine Zellstruktur und DNA. Anhand einer Pollen- und Magenanalyse konnten Forscher nachweisen, welche Wege der Steinzeitmann zuletzt gegangen ist.

Seine letzte Mahlzeit bestand aus getrocknetem Hirsch- und Steinbockfleisch sowie Getreide. Mit sich trug er ein Kupferbeil, Pfeil und Bogen und ein Messer. Seine Kleider wurden teilweise aus Schafs-, Ziegen- und Bärenfell angefertigt. Bewiesen ist, dass er in Kampfhandlungen verwickelt war, entsprechende Spuren wurden an seiner Ausrüstung gefunden sowie eine Schnittwunde an seiner Hand.

Ein Radiologe hat 2001 auf einem Röntgenbild in der linken Schulter des Mannes eine Pfeilspitze aus Feuerstein entdeckt. Diese hatte die Unterschlüsselbeinarterie angerissen, der Beweis dafür, dass er von hinten erschossen wurde. Wissenschaftler sind sich inzwischen sicher, dass der Mann aus dem Eis von Süden nach Norden unterwegs gewesen sein muss, worauf Blütenstaubspuren der Hopfenbuche in seinem Darm hinweisen. Dieser Baum wächst nur im südalpinen Raum.

Es ist, wenn man so will, der erste ungeklärte Mordfall der Menschheitsgeschichte, den Regisseur Randau in seinem Film zu rekonstruieren versucht. Gedreht wurde "Der Mann aus dem Eis" an Originalschauplätzen in den Südtiroler Alpen. Die eindrucksvolle Kulisse ist auch der eigentliche Star des Films - neben Jürgen Vogel, der sehr überzeugend den Steinzeitmenschen Kelab verkörpert. Auch wenn wir wissen, dass der Protagonist am Ende tot im ewigen Eis liegen wird, ist Randaus Rache-Thriller jederzeit packend und erinnert an "The Revenant", der Leonadro DiCaprio den langersehnten ersten Oscar einbrachte.

Ingemar Pardatscher
Ingemar Pardatscher
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