NHL-Ass im Interview

05.12.2017 07:35

Grabner: "Absoluter Höhepunkt in meiner Karriere"

Michael Grabner schreibt in der Nacht auf Mittwoch österreichische Eishockey-Geschichte: Der Villacher absolviert in der NHL sein 500. Spiel, ist mit den New York Rangers bei Titelverteidiger Pittsburgh zu Gast. Mit der "Krone" sprach der 30-Jährige über das Jubiläum, einen versteckten Helm und seine aktuelle Rekordjagd.

"Krone”: Michi, Mittwoch früh machst du den 500er voll. Was geht dir da alles durch den Kopf?
Michael Grabner: Das ist sicher ein absoluter Höhepunkt in meiner Karriere und auch ein Thema in unserer Kabine, wo in einer Statistik auch die Meilensteine jedes Spielers festgehalten werden. Da blicken wir immer wieder mal drauf, haben mich auch die Mitspieler zuletzt öfter darauf angesprochen, dass mein 500er naht.

Ein Jubiläum, dass dich gewiss auch stolz macht.
Wenn mir jemand mit 12, 13 Jahren gesagt hätte, dass ich eines Tages die Marke von 500 Spielen in der NHL erreichen werde, hätte ich das dankend angenommen.

Blicken wir zurück: Erinnerst du dich noch an dein erstes NHL-Spiel 2009?
Das bleibt ewig in Erinnerung, darauf hatte ich jahrelang hingearbeitet. Ich begann die Saison noch in der AHL, wurde nach zwei, drei Wochen zum NHL-Team raufgeholt. Wir spielten bei meinem Debüt mit Vancouver in Calgary, ich war extrem nervös, musste noch dazu ohne Helm zum Aufwärmen auf das Eis, weil ihn die Mitspieler im Spaß versteckt hatten. Die Atmosphäre war gigantisch und gleich im ersten Spiel verbuchte ich einen Assist.

Dein erstes Tor in der NHL ...
... erzielte ich wenige Tage später für die Canucks in Chciago. Ich bekam im Powerplay einen guten Pass von Ryan Kesler, habe den Schlagschuss verwertet. Es ging alles so schnell in diesem Spiel, dass ich erst Tage später diesen Treffer für mich realisierte. Ein Tor in der NHL zu erzielen - damit hatte ich mir einen Traum erfüllt, den jeder Eishockey-Crack auf dieser Welt lebt. Schade war, dass ich mir wenige Tage später den Fuß brach. Sonst hätte ich noch einige Spiele mehr auf dem Buckel.

Das Bemerkenswerte ist: Dein Head-Coach bei deinem NHL-Debüt hieß Alain Vigneault - und er ist nun auch beim 500. Auftritt dein Trainer bei den New York Rangers.
Ja, das passiert nicht vielen Spielern. Vigneault war ein zentraler Grund, warum ich letztes Jahr bei den Rangers unterschrieb. Er kannte meine Spielweise und ich wusste, wie er seine Systeme umsetzt. Auch sein Assistant-Coach Scott Arniel ist mir noch aus AHL-Zeiten bei Manitoba bestens bekannt. Das hat den Start schon sehr erleichert.

Welches war dein bisher bestes Spiel in der NHL?
Ich hoffe, das folgt noch. Der Moment, als ich den Stanley-Cup gewinne, die Fans die letzten Sekunden runterzählen. Ich will das unbedingt erleben. Highlights hatte ich schon mehrere: mein erstes Spiel, mein erstes Tor, mein erster Hattrick oder mein erstes Play-off-Spiel. Wobei es als Österreicher generell ein Highlight ist, in der NHL zu spielen.

Abgesehen von Philadelphia-Crack Michael Raffl, deinem Kumpel aus gemeinsamen Villacher Zeiten. Inwieweit entstanden für dich in den acht Jahren NHL-Freundschaften?
Die gibt es, schließlich habe ich schon für einige Teams gespielt. Ich bin zum Beispiel mit Ex-Kollegen wie John Tavares, Johnny Boychuk, Matt Martin oder Leo Komarov nach wie vor in Kontakt. Die Duelle auf dem Eis machen immer dann noch mehr Spaß, wenn ich gegen Leute spiele, die ich persönlich kenne.

Wie stark hat sich die NHL in den acht Jahren verändert?
Das Spiel ist schneller geworden, die Spieler sind generell in einer besseren körperlichen Verfassung, auch die jungen, die mit 18, 19 Jahren rauf kommen. Und die Liga hat sich stark verjüngt. Das sieht man daran, dass ich mit 30 zu den ältesten Spielern im Rangers-Team gehöre.

Du bist mit 13 Toren bester Rangers-Schütze und klubintern in der Plus/Minus-Wertung mit +11 ebenfalls die Nummer eins. Doch mit Saisonende läuft dein Vertrag bei den Rangers aus…
Ich fühle mich mit meiner Frau und unseren beiden Kindern sehr wohl in New York, würde gerne noch drei, vier Jahre bei den Rangers anhängen. Tore zu erzielen ist umso wichtiger, wenn dein Vertrag ausläuft. Wobei ich aus Erfahrung weiß, dass es am Ende auf mehrere Faktoren ankommen wird.

Zudem könntest du in dieser Saison einen neuen NHL-Rekord aufstellen: Nach 26 Spielen hast du bereits sechs Empty-Net-Tore erzielt. Die Bestmarke hält seit der Saison 1999/2000 Pavel Bure, der damals auf neun Treffer kam.
Ich bin da nicht so schlecht auf dem Weg, die Saison ist noch lang. Ich muss hoffen, das wir noch oft gegen Ende hin ein, zwei Tore vorne liegen, damit ich überhaupt zu dieser Gelegenheit komme. Ich schaue einfach, dass wir unter Druck Luft bekommen, denn ein Tor Vorsprung ist in den letzten Zügen eines Spiels sehr nervenaufreibend. Dann zu treffen, ist erleichternd für mich und vor allem fürs Team.

Christian Reichel, Kronen Zeitung

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