Diskussion um Brauch

03.12.2017 05:55

Der Nikolaus soll seinen Bart behalten

Die Kinder freuen sich auf den besonderen Tag im Advent, Psychologen machen aber ein Problem daraus: Darf der Nikolaus bei seinem Besuch zu Hause, in Kindergärten oder in Schulen samt seinem Bart auftreten? Ein "Krone"-Brennpunkt.

Traditionen werden eben überall anders gelebt - und so ist die Vorgehensweise in den insgesamt 350 Kindergärten der Stadt Wien besonders skurril: Hier wird das Nikolaus-Fest am 6. Dezember zwar gefeiert - aber eben ohne Nikolaus. Die für die Kindergärten zuständige Beamtin Daniela Cochlar sagt: "Es kommt keine Person, die sich als Nikolaus verkleidet. Wir wollen den Kindern dieses magische Denken geben, damit sie ihre eigenen Vorstellungen ausleben können. Für manche ist der Nikolaus ein Mann mit Bart, für andere wiederum ein Engerl." Heißt: Auf diese Art und Weise gibt es praktisch ein Nikolaus-Verbot in den Kindergärten der Stadt Wien.

Genau das löst jetzt eine bundesweite Debatte aus - die Frage lautet: Ist es Kindern zumutbar, in das Gesicht eines bärtigen Mannes zu blicken, der einen Heiligen darstellt?

  • In Bad Traunstein in NÖ fiel dieser Darsteller besonders auf - dank seines weißen Bartes!

"Der Bart spielt beim Nikolo gar keine Rolle"
In Kärnten gibt es dazu eine klare Meinung: "Ein Bartverbot für den Nikolo ist skurril hoch zehn. Ich war selbst mehr als 20 Jahre als Nikolaus unterwegs und habe unzählige Kollegen darin ausgebildet. Wenn Kinder wirklich einmal Angst hatten, wurde der Bart kurz abgenommen. Das waren aber Einzelfälle", sagt Christian Wallner, Gründer der Nikolo-Schulungen bei der katholischen Jungschar. So sieht es auch der Klagenfurter Dompfarrer Peter Allmaier: "Vor dem Nikolo haben Kinder höchstens Ehrfurcht, der Bart spielt dabei keine Rolle." In Vorarlberg, im Burgenland und in der Steiermark wird es den Darstellern selbst überlassen, ob sie mit Bart oder ohne gehen.

  • In den Nikolo-Schulen in Kärnten ist klar: Das Bartverbot wird als völlig skurril angesehen.

Wobei vor allem in Vorarlberg die einhellige Meinung herrscht: "Authentisch ist er eben nur mit Bart", sagt Corinna Peter von der Jungschar. Wolfgang Zarl von der Diözese St. Pölten sagt: "Darsteller lassen sich sogar einen Bart wachsen, der kommt aber wieder weg." Auch in Tirol ist es jedem freigestellt, ob mit oder ohne. Andreas Winterle von der Jungschar erklärt: "Ich habe von Eltern noch nie ausdrücklich gehört, dass der Nikolaus ohne Bart kommen soll."

  • Was ist schöner? Wolfgang Hammerschmid-Rücker als Nikolo mit und ohne Bart

In Salzburg, wo Wolfgang Hammerschmid-Rücker seit 18 Jahren als Nikolaus durchs Land zieht, sind derzeit eher die Krampusse Thema: "Je kleiner die Kinder, desto eher sollte man auf sie verzichten." Und wie sieht's mit dem dicken Rauschebart aus? "Der Nikolaus soll und darf eine magische Gestalt sein. Und dazu gehört natürlich auch der Bart."

  • Was ist schöner? Wolfgang Hammerschmid-Rücker als Nikolo mit und ohne Bart

"Die Mimik soll sichtbar bleiben"
Der Bart ist für den erfahrenen Nikolaus-Darsteller Luggi Frauenberger von der Katholischen Jungschar Oberösterreich kein Thema. Er hat einen vollen Naturbart - das ganze Jahr über. Damit kann er vor allem eines: die Mimik des Nikolo perfekt darstellen.

  • Luggi Frauenberger bildet Nikolaus-Darsteller aus.

"Krone": Die Debatte kommt jedes Jahr wie das Amen im Gebet.
Luggi Frauenberger: Der Nikolausbart ist bei den Darstellern kein Thema mehr. Es ist jedem freigestellt, ob man mit oder ohne Bart geht. Wichtig ist allerdings, dass man durch den Bart nicht das gesamte Gesicht verdeckt, der Mund und die Mimik für die Kinder nicht sichtbar sind.

Warum ist das so wichtig?
Weil die Kinder nicht erkennen, ob es der Nikolo ehrlich meint mit den Worten oder ob es aufgesetzt ist. Sie sollen sehen, dass das Gegenüber ihnen zulächelt.

Da sind Naturbartträger eindeutig im Vorteil.
Ich habe jedenfalls keine Probleme und habe schon von Kollegen gehört, die sich für ihre Auftritte extra einen Bart wachsen lassen.

Manche Darsteller ziehen sich vor den Kindern an oder legen vor ihnen den Bart an.
Das ist vor allem bei ganz kleinen Kindern ein durchaus möglicher Zugang. Sobald der Darsteller das Gewand des heiligen Nikolo anhat, vergessen die Kleinen sowieso, dass da vorher ein anderer Mann stand.

Trotz Bart und Perücke erkennen Kinder oft, wer hinter der Verkleidung steckt.
Sie schauen auf Ringe am Finger, vor allem aber auf die Schuhe. Wobei die Kleinen überhaupt sehr aufmerksam sind. Ich hatte bei einem Besuch ein Playmobil-Schiff mit, um die Geschichte von den Fischern im Sturm, denen der Nikolaus half, zu illustrieren. Da waren die Kinder über den Papagei am Mast sehr verwundert - den habe ich gar nicht wahrgenommen.

Robert Loy, Katharina Pirker, Redaktionen aus den Bundesländern, Interview: Markus Schütz, Kronen Zeitung

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