Neue Behandlungen

03.12.2017 06:00

ADHS - Kind außer Kontrolle

Das mittlerweile recht bekannte Aufmerksamkeits-Hyperaktivitätssyndrom ist ein relativ häufiges psychiatrisches Krankheitsbild bei Kindern und Jugendlichen. Eine Diagnose sollte allerdings mit Bedacht erfolgen!

In der Schule sind sie mit den Gedanken stets woanders, können sich schlecht konzentrieren. Gleichzeitig fällt gerade in der Bildungseinrichtung längeres Sitzen schwer, sie zappeln herum. Sie sprechen frei heraus, ohne davor darüber nachzudenken. Mit diesem Verhalten ecken Betroffene oft an - mitunter auch noch als Erwachsene. Bei ADHS besteht eine verminderte Fähigkeit zur Selbststeuerung und -kontrolle. Dadurch treten Beeinträchtigungen der Konzentration und der Aufmerksamkeit sowie impulsives und unüberlegtes Handeln auf. Weitere typische Merkmale sind körperliche Unruhe und ein ausgeprägter Bewegungsdrang.

"Wie es zu der Störung kommt, ist noch nicht gänzlich geklärt. Man vermutet eine Fehlregulation der Neurotransmitter (Botenstoffe) in gewissen Gehirnarealen, die genetisch mitbedingt ist. Auch fetale Einflüsse (Nikotin, Drogen) und Probleme in der frühkindlichen Entwicklung (Frühgeburt, Störungen der Interaktion in der Familie) können zum Auftreten von Symptomen beitragen", erklärt Assoc.-Prof. Dr. Claudia Klier, Leiterin der Pädiatrischen Psychosomatik, Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde, Med Uni Wien. "Durch ausführliche Anamnese, neurologische Untersuchungen sowie psychologische Tests und eine Verhaltensbeobachtung erfolgt die Diagnose. Grundsätzlich müssen mindestens sechs der unten genannten Symptome vorliegen und Krankheitszeichen bereits vor dem Alter von sieben Jahren das erste Mal auftreten, damit ADHS bestimmt werden kann." Nicht nur Kinder sind betroffen, auch Erwachsene leiden (noch) daran. Bei ihnen rückt aber die motorische Hyperaktivität in den Hintergrund, während innere Unruhe, das "Gefühl der Getriebenheit" und Vergesslichkeit zunehmen. Impulsives Verhalten und unüberlegte Handlungen sind weiterhin vorhanden.

Wie wird therapiert?
"Wir setzen ein multimodales Konzept ein, bei dem psychosoziale, pädagogische, psychotherapeutische und medikamentöse Maßnahmen zur Anwendung kommen", erklärt Prof. Klier. "Neuere Ansätze bedienen sich computergestützter virtueller Realitäten (VR), um Aufmerksamkeit und Impulskontrolle spielerisch und folglich motivationssteigernd zu trainieren. Ein derartiges VR-Training für ADHS läuft derzeit am AKH Wien/MedUni Wien unter der Leitung von Dr. Anna Felnhofer und Dr. Oswald Kothgassner." Wichtig ist, dass der gesamte Behandlungsplan individuell abgestimmt und das soziale Umfeld miteinbezogen wird, Eltern, Lehrer, Verwandte und Freunde. Auch eventuell notwendige Medikamente werden erfolgreich eingesetzt.

Eva Greil-Schähs, Kronen Zeitung

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