Neuer Antrieb

19.11.2017 14:48

Mazda CX-5: So fährt sich der neue Top-Benziner

In Zeiten, da der Dieselmotor in Verruf geraten ist, tut man als Autohersteller gut daran, sein Benziner-Portfolio zu erweitern. So gesehen hat Mazda alles richtig gemacht, indem man im Erfolgs-SUV CX-5 nun auch einen 194 PS starken 2,5-Liter-Vierzylinder anbietet. Allerdings wird damit nicht jeder glücklich.

Bisher war der stärkste Motor bei der zweiten Generation des Mazda CX-5 der kräftige 2,2-Liter-Diesel mit 175 PS und einem bulligen Drehmoment von 420 Nm bei 2000/min. Der neue Benziner (mit Zylinderabschaltung!) ist mit seinen 194 PS nominell deutlich stärker, in der Praxis kann er aber mit dem souveränen Selbstzünder nicht mithalten. Wer flott unterwegs sein will, braucht Drehzahl, denn das maximale Drehmoment wird erst bei 4000 Touren erreicht - und es sind nur 258 Nm. Es ist Mazda hoch anzurechnen, dass sie dem Saugprinzip treu bleiben und keinen Turbolader verbauen, aber wir sind inzwischen alle von Laderpower von unten heraus verwöhnt (außerdem ist wohl nur in Ländern mit Tempolimit zu rechtfertigen, dass ein Auto mit fast 200 PS nur 195 km/h Höchstgeschwindigkeit in der Zulassung stehen hat).

Das wäre aber noch gar nicht das Problem, denn was spricht dagegen, einen Benziner leistungsfreundlich zu drehen, kräftig am Gas zu halten und den Motorsound zu genießen? Ja, und genau hier kommen wir der Sache schon näher: Mazdas 2,5-Liter Vierzylinder nervt. Er klingt angestrengt und schrill, die Sechsgangautomatik hält die Gänge ziemlich lang, um aus der Drehzahl die Leistung zu holen, und dabei schreit der Motor "Geh endlich vom Gaaaaas!".

Dabei ist ihm faktisch nichts vorzuwerfen. Okay, er ist kein Drehmomentwunder, aber auch nicht so zäh, wie das nervenraubende Konzert vermuten lassen würde. Mit Handschaltung (die nicht verfügbar ist) wäre der 1,5 Tonnen-Allradler auch schneller auf 100 km/h als in den angegebenen 9,0 Sekunden. Das Automatikgetriebe fackelt beim Ampelstart nicht lange, sondern sorgt beim Tritt aufs Gaspedal umgehend für Vortrieb, wo Konkurrenzprodukte noch mit Nachdenken beschäftigt sind. Ähnliches gilt für die zackige Stopp-Start-Automatik. Aber. Große Bitte nach Hiroshima: Verpasst dem Motor Sound! Nichts Künstliches, nein, das wäre noch unerträglicher. Ich rede auch gar nicht von pubertären Sportklängen. Setzt euch mal in einen Volvo, zum Beispiel. So muss ein Vierzylinder klingen. Dann beschwere ich mich auch nicht mehr über den Zwang zur Drehzahl, im Gegenteil.

Auf der anderen Seite: Wer es langsam und gelassen angehen lässt, kommt im Mazda CX-5 voll auf seine Kosten. Denn dann hört man kaum etwas aus dem Motorraum und überhaupt ist der Innenraum hervorragend gedämmt. Herrliche Ruhe herrscht, wenn man gleitet. Wahrscheinlich kommt man dann auch unter 9 Liter auf 100 Kilometer.

  • Die Rückfahrkamera ist nicht vor Regen geschützt.

Aber - und deshalb ist mir der Klang so wichtig - der Mazda CX-5 ist ein Auto, das echten Fahrspaß vermittelt. Zwar würde ich mir ein weniger glattes, weniger knochiges Lenkrad wünschen und die Bremsen dürften kräftiger zupacken, aber ansonsten kann der Wagen durchaus als Vorbild herhalten, wie man heutzutage ein Kompakt-SUV abstimmt. Gefühlvolle, präzise, aber nicht zu direkte Lenkung, selbstbewusstes Fahrwerk, insgesamt komfortabel, aber dennoch so straff abgestimmt, dass dem Beifahrer selbst auf schnell durchcarvten toskanischen Kurvenstraßen nicht schlecht wird. Darüber haben wir im Zuge der Präsentation des Mazda CX-5 bereits ausführlich berichtet (hier nachzulesen!).

Der Rest ist Geschmacks- oder Passformsache. Die nicht verschiebbare Mittelarmlehne mag für andere Fahrer passen, für mich ist sie zu kurz. Mir ist auch der Fahrerfußraum zu eng, die Fußablage lässt mich mein Bein dauerhaft zu stark abwinkeln. Dafür ist auf der Rückbank des 4,55 Meter langen und 1,84 Meter breiten Japaners gut Platz, keine Klagen auch beim Kofferraumvolumen von 506 bis 1620 Liter.

Nach einem Bedienkonzept wie hier werden wir uns noch sehnen. Ein echter Lautstärkeregler wächst aus der Mittelkonsole, mit dem Drehdrücksteller daneben hat man das Navitainment im Griff, da muss man nicht auf dem Display herumtapsen (kann man im Stand aber); das Head-up-Display wird in die Scheibe eingespiegelt. Kleinigkeit am Rande: Man kann die Sonnenblende auch mit der linken Hand herunterklappen (das geht nicht einmal in einem Bentley!). Allerdings gibt es im Tachodisplay keine Zeitanzeige - die Uhr findet sich nur im Zentraldisplay, aber nicht immer.

  • Head-up-Display, scharf in die Scheibe gespiegelt

Assistenten gibt es eine ganze Menge, vom Adaptivtempomaten (mit Stop&Go im Stau) über den Totwinkel- bis zum City-Notbremsassistenten. Autonom geht darüber hinaus noch nichts.

  • Was aussieht wie ein Fahrmodusschalter, schaltet nur die Automatik auf Sport.

Unterm Strich
Ab 25.990 Euro ist ein Mazda CX-5 bereits zu haben (165-PS-Benziner mit Frontantrieb und manuellem Schaltfetriebe), für den starken Benziner werden mindestens 41.390 Euro fällig, weil es ihn nur in der höchsten Ausstattungsstufe "Revolution Top" gibt. Einzige aufpreispflichtige Optionen sind weißes Leder (200 Euro), Schiebedach (800), Navigation (600) oder spezielle Lackierungen. Was wir nicht verschweigen wollen: Der starke Diesel liegt auf einem ähnlichen Preisniveau. Und könnte für manchen die bessere Wahl sein.

Warum?

  • Angesichts der Topausstattung günstiger Preis
  • Großartiges Fahrverhalten

Warum nicht?

  • Störender Motorklang bei mittleren bis höheren Drehzahlen

Oder vielleicht …

… den starken Diesel wählen. Oder sich nicht am Motorklang stören.

Stephan Schätzl
Redakteur
Stephan Schätzl
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