Comeback des Vinyl

14.11.2017 15:00

Schallplatten: Sanftes Knistern vor dem ersten Ton

Sie ist eine Diva, braucht Aufmerksamkeit und erfreut sich wieder großer Beliebtheit. Während die CD-Verkäufe immer mehr zurückgehen, feiert die gute alte Schallplatte seit Jahren ein Comeback.

Der Sommer 2000. Noch keine 17 Jahre alt, absolvierte ich als junger Oberösterreicher bei der "Krone" ein Praktikum. Und erinnere mich noch genau an den 4. Juli. Libro Music Hall. Mein erstes Iron-Maiden-Konzert. Dort von langhaarigen Männern in Jeansjacken mit Band-Aufnähern erfahren, dass man Rockmusik "nur auf Vinyl" hören könne. Schallplatten. Freilich aus dem elterlichen Hause in Form diverser Mahler- und Beethoven-Stücke wohl bekannt. Doch habe ich bis zu diesem Zeitpunkt noch keine besessen. Was sich bald ändern sollte.

Wenige Tage nach dem Konzert sollte ich meine erste selbst gekaufte Schallplatte in Händen halten. 150 Schillinge kostete die Pressung von Iron Maidens "Seventh Son of a Seventh Son". Im Laufe der Jahre sollten mehr und mehr dazukommen. Zu Studienzeiten wurde das Geld leider oft anderweitig benötigt. Auf Plattenmärkten und Tauschbörsen blieb es deswegen meist nur bei einem sehnsüchtigen Blick auf die Erstpressung des AC/DC-Debütalbums "High Voltage".

Hinsetzen, zuhören, aufstehen, umdrehen
Eine Leidenschaft, die Leiden schafft. "Die Schallplatte ist eine Diva. Sie braucht Aufmerksamkeit", bringt es Sammler Thorsten auf den Punkt. Hinsetzen. Zuhören. Und nach vier, fünf Liedern die Platte umdrehen. Im Wien-Museum läuft gerade die Ausstellung "Ganz Wien. Eine Pop-Tour". Beim Plattenflohmarkt komme ich mit Hannes ins Gespräch. 15.000 Stück hat er. "Bis vor einigen Jahren war die Vinyl-Community noch überschaubar. Jetzt gehen die Tauschbörsen manchmal über Tage", erzählt er.

  • Nikolaus Kühböck, Inhaber von "WIENyl", und seine Schallplatten-Sammlung

Das Knistern der Nadel auf dem Vinyl vor dem ersten Ton. Die Musik klingt unrein. Ehrlich. Nicht so steril wie auf CD. Die Schallplatte erlebt eine Renaissance. "Vinyl war nie tot", sagt Nikolaus Kühböck von "WIENyl" (Bild oben). Stimmt. Und auch Iron Maiden spielen immer noch.

Clemens Zavarsky, Kronen Zeitung

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