Verstörende Inhalte

13.11.2017 11:01

Ist YouTube das richtige Programm für unsere Kids?

Auch, wenn sich ältere Zeitgenossen fragen, was sie daran finden: Für Kinder sind YouTube-Videos, in denen Comicfiguren herumtanzen, Überraschungseier geöffnet, Spielzeug getestet, oder schlicht Videospiele gespielt werden, das neue Fernsehen. Auf YouTube gibt es aber auch verstörende Videos, weshalb die Google-Tochter ein eigenes Kinderangebot namens YouTube Kids ins Leben gerufen hat. Algorithmen halten hier unpassende Videos fern - zumindest in der Theorie. In der Praxis sind Eltern skeptisch: Nicht alles, was Google als kindgerecht einstuft, ist auch tatsächlich unbedenklich.

"Etwas läuft falsch im Internet", titelt der US-amerikanische Autor James Bridle in einem Beitrag für das Magazin "Medium". Beim Besuch des YouTube-Kinderbereichs seien ihm etliche Videos aufgefallen, die eigentlich nicht für die Augen von Kindern geeignet seien - etwa, weil sie Kinder verängstigen oder traumatisieren könnten. Und Bridle ist mit seinen Befürchtungen nicht allein, analysiert das IT-Portal "Golem". Auch andernorts - etwa in der renommierten "New York Times" - stellt man die Frage, wie sicher YouTube Kids - das Angebot ist hierzulande erst seit wenigen Wochen verfügbar - wirklich ist und ob man kleine Kinder bedenkenlos damit allein lassen kann.

Verstörende Szenen im Kinderprogramm
Tatsache ist: YouTube ist ein Füllhorn zigtausender Clips, von denen viele für Kinder geeignet sind. Dazwischen tummeln sich aber auch Cartoons, in denen Figuren wie Mickey Maus von Autos überfahren werden und einen qualvollen Tod sterben; verstörende Clips, in denen Horrorfilm-Figuren wild um sich ballern; oder Kurzfilme, in denen Kinderfilmfiguren das Publikum auf dumme Gedanken bringen - etwa, indem sie Chemikalien trinken. "So etwas wird durch den Umstand, dass es sich oft um Charaktere handelt, welche die Kinder zu kennen glauben und denen sie vertrauen, noch verstörender", sagt der US-Kinderarzt Michael Rich zur "New York Times".

Aber wie kommen solche Inhalte in das Kinderprogramm von YouTube? Viele Beobachter glauben, das hänge mit den Algorithmen zusammen, mit denen YouTube Videoempfehlungen erzeugt und passendes Material für das Kinderprogramm auswählt. Zwar sind diese Algorithmen bei YouTube Kids strenger als bei Empfehlungen für Erwachsene. Den Unterschied zwischen einem unbedenklichen Clip mit einer Zeichentrickfigur und einer für Erwachsenenaugen gedachten Parodie oder einem mutwillig hochgeladenen Schockvideo mit der gleichen Figur, das Kinder verstören soll, erkennen sie aber nicht immer.

  • Die britische Cartoonfigur Peppa Pig ist beliebt bei Kids, doch es kursieren bizarre Videos mit ihr.

"YouTube Kids ist kein betreutes Angebot"
Bei YouTube räumt man ein, dass die automatische Auswahl kindgerechter Inhalte fehlerbehaftet sein kann. "YouTube Kids ist kein betreutes Angebot", heißt es von der Videoplattform. Von einem Menschen werden Videos erst überprüft und gegebenenfalls gesperrt, wenn sie von Eltern als nicht kindgerecht gemeldet werden. Davor können sie durch die schiere Größe von YouTube allerdings schon bei vielen Kindern über die Bildschirme geflimmert sein.

Wer sich wirklich sicher sein will, was seine Kinder auf YouTube sehen, sollte deshalb manuell bestimmte Suchbegriffe und Kanäle für sein Kind deaktivieren, rät ein YouTube-Manager. Bei YouTube weist man darauf hin, dass nur wenige Videos, die es ins YouTube-Kids-Angebot schaffen, nachträglich gemeldet werden. Die Quote liege bei gerade einmal 0,005 Prozent. Das klingt zwar nicht nach viel, bei Millionen potenziell abrufbarer Videos bedeutet das aber auch, dass Tausende Videos im YouTube-Kids-Angebot herumgeistern, die eigentlich nicht für Kinder geeignet sind.

"YouTube ist kein Babysitter!"
Angesichts dieser Gefahren raten Experten der heimischen Initiative saferinternet.at Eltern, gerade Kleinkinder niemals unbeaufsichtigt YouTube nutzen zu lassen. Die Plattform sei ein tolles Angebot, "allerdings: YouTube ist kein Babysitter!" Den Experten zufolge kann man sich als Elternteil nie hundertprozentig sicher sein, welches Video als nächstes in der Playlist auftaucht und ob es für kleine Kinder geeignet ist.

Wer nicht permanent beim YouTube-Konsum anwesend sein kann, könne auf garantiert unbedenkliche öffentlich-rechtliche Kinderangebote wie die "Seite mit dem Elefanten" des Westdeutschen Rundfunks ausweichen. Noch mehr Tipps zur richtigen YouTube-Nutzung für Eltern erhalten Sie in diesem saferinternet.at-Ratgeber:

Dominik Erlinger
Redakteur
Dominik Erlinger
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