Radio-Entwicklung

04.11.2017 19:10

Autoradio über die Jahre - mit 7 Generationen Golf

Während das Auto viele Jahrzehnte seinen Grundzügen treu blieb, wandelte sich seine Unterhaltungstechnik mehrfach radikal. Vor allem die Digitalisierung bescherte Techniksprünge, wie sich etwa an der über 40-jährigen Geschichte des VW Golf zeigt.

Motorola war die Firma, die ihren Weltruhm dem ersten Autoradio verdankte. Ende der 1920er-Jahre wurde es erstmals von der Firma Galvin Manufacturing Corporation (GMC) in den USA eingesetzt. Die Amerikaner ersannen als Bezeichnung für das Gerät ein Kunstwort aus den Elementen Motor und ola - letzteres steht für Schall, Welle. Ende der 1940er-Jahre benannte sich GMC in Motorola um.

In Europa setzte die Entwicklung etwas später ein. Autospur 5 hieß Anfang der 1930er-Jahre das erste Radiomodell der Firma Ideal, die sich später in Blaupunkt umbenannte. Das 15-Kilo-Ungetüm mit seinen fünf Elektronenröhren konnte die Bordelektronik von Fahrzeugen mit seinem hohen Strombedarf gelegentlich überfordern. Angesichts der für heutige Verhältnisse mehrere Tausend Euro teuren Lösung blieb das Autospur ein absolutes Luxusobjekt.

In der Nachkriegszeit waren die zunehmend kompakter und günstiger werdenden Geräte weiterhin Luxus statt Normalität. Die Zahl der Anbieter günstiger Geräte und die der technischen Innovationen wuchsen allerdings rasant. Zu den Meilensteinen gehörten etwa das Blaupunkt A53KU aus dem Jahr 1954 mit automatischem Sendersuchlauf, das erste Transistoren-Autoradio von Philips im Jahr 1961, oder sieben Jahre später der erste Kassettenspieler, mit dem ebenfalls Philips erstmalig die Musikgestaltung nach eigenen Wünschen erlaubte.

Die Erfüllung individueller Musikwünsche brachte Autofahrer allerdings oft auch an den Rand der Verzweiflung. Als Supergau galt der Bandsalat, den meist ein plötzlicher Wechsel der Abspielgeschwindigkeit ankündigte und danach langwieriges Einfädeln des Magnetbandes mit dem Bleistift erforderte. Eine rundum hilfreiche Innovation war hingegen 1974 die Einführung der automatischen Erkennung von Verkehrsmeldungen über das ARI-System.

1974 war auch die Geburtsstunde des VW Golf, dessen Radiomodelle VW mit bieder anmutenden Städtenamen adelte. Am norddeutschen Bestseller lässt sich die Entwicklung des Radios im Auto seitdem stellvertretend für alle nachvollziehen. Den Anfang machte das spartanische "Braunschweig". Links ein Drehknopf für "An/Aus" und Lautstärke, rechts einer für die Senderwahl. Dazwischen drei Tasten: einmal Mittelwelle, zweimal UKW. Das war es. Danach folgte das Ingolstadt Stereo CR - CR stand für Cassetten Radio.

Im Golf II (ab 1983) deuteten sich bereits die Anfänge des digitalen Zeitalters an. Gamma hieß das Radio, das auf einem LCD-Minidisplay die Radio-Frequenz digital anzeigte. Zu den großen Innovationen folgender Gamma-Modelle zählten etwa die Dolby-Taste zur Rauschunterdrückung oder der Diebstahlschutz per Zahlencode. Letzterer machte das Leben der damals besonders umtriebigen Autoradio-Diebe zumindest etwas schwerer.

  • Im Golf II war das Autoradio Gamma bereits mit LCD-Display ausgestattet.

Mit dem 1991 erschienenen Golf III, die Kassette war noch immer die unangefochtene Nummer 1, verbesserten sich automatischer Sendersuchlauf oder die Technik für Verkehrsdurchsagen.

  • Das Autoradio Gamma im Golf III bot besseren Sendersuchlauf und neue Technik für Verkehrsdurchsagen.

Das nahende Ende der Cassette deutete 1997 der Golf IV an. Erstmals konnte der kompakte Wolfsburger auch Musik in digitaler Form abspielen, denn das weiterhin Gamma genannte Radiomodell war seither für den Anschluss eines CD-Wechslers gerüstet. Eine weitere Revolution des Golf IV war zudem der Einsatz von Doppel-DIN-Geräten, die fortan mit großen Displays und farbigen Navigationskarten protzen konnten.

  • Im Golf IV war erstmals Platz für Doppel-DIN-Geräte.

Ab dem Golf V, der 2003 die Bühne betrat, waren Doppel-DIN-Geräte Standard. Bestellbar war etwa das RCD 300, welches statt eines Kassettenlaufwerks nur noch einen CD-Schlitz bot. Aber auch die runden Silberlinge waren nur ein Zwischenschritt, denn mit dem optionalen Anschluss für MP3-Player deutete sich im Golf V die nächste digitale Revolution beim Autoradio an.

  • Im Golf V setzte sich das CD-Laufwerk durch

2008 kommt in der sechsten Auflage des Kompaktklassikers das RNS 510 zum Einsatz. Seither darf man eigentlich nicht mehr von einem Autoradio, sondern muss vielmehr von einem Multimediagerät sprechen. Mit USB-Anschluss, DAB-Radio, Touchscreen, DVD-Laufwerk, 30-GB-Festplatte und dynamischer Navigation wandelt sich das einstige Radio endgültig zum digitalen Alleskönner.

  • Ein Meilenstein auf dem Weg zu multimedialen Alleskönnern war das RNS 510, unter anderem im Golf VI.

Die digitale Revolution bescherte dem Autoradio in rascher Folge eine Vielzahl weiterer Innovationen. Discover Media heißt die Infotainment-Einheit des 2012 eingeführten Golf VII, die VW mit Bluetooth-Anbindung, WLAN-Hotspot, Annäherungssensorik oder Sprachbedienung aufrüstete. Bereits 2016 folgt das Discover Pro, das endgültig auf analoge Tasten verzichtet, dafür teilweise Gestensteuerung ermöglicht und zudem die Einbindung von Smartphones erlaubt. Dank dieser Konnektivität ist das Internet nunmehr ein ständiger Begleiter in Automobilen, was viel Potenzial für weitere technische Revolutionen mit sich bringt.

  • Mit dem Discover Pro bietet VW im Golf VII u.a. Gestensteuerung und Smartphone-Einbindung.

(SPX)

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