Koalitions-Check

12.10.2017 14:21

Karten auf den Tisch: Wer kann mit wem?

Karten auf den Tisch! Psychologe Othmar Hill macht den großen Koalitions-Check: Wie harmonieren die Spitzenkandidaten - ganz unabhängig von ihrer politischen Ausrichtung - miteinander?

In einem Orchester kommt es darauf an, dass a) die Musiker ihr Fach beherrschen, b) die Instrumente aufeinander abgestimmt sind, c) alle miteinander wirklich Musik machen wollen und d) alle ihren Teil harmonisch beitragen. Sonst gibt es nichts als Dissonanzen. So gestaltet es sich im privaten wie im beruflichen Leben: Die Orchestrierung gibt den Ton an!

Daher ist es entscheidend, dass Personen einander ergänzen, nicht bekriegen. In der Politik wird dieses Prinzip meist noch weniger als in der Wirtschaft beachtet. Daher bringt die "Krone" einen Überblick, welche Spitzenkandidaten aus psychologischer Sicht gut zueinander passen könnten. Wichtig: Bei unserer Analyse ging es ausschließlich um die Persönlichkeit, ganz unabhängig von der politischen Ausrichtung und von der realen Prozentverteilung nach der Nationalratswahl.

Der große Koalitions-Check anhand des Persönlichkeits-Profils
Leider hat Christian Kern unseren Kanzler-Check abgebrochen. Wir wollen daher ohne vollständige Analyse nicht spekulieren, wer mit ihm koalitionskompatibel sein könnte. Für den Koalitions-Check schauen wir uns das Persönlichkeits-Profil der übrigen fünf Spitzenkandidaten einzeln an: Wer eignet sich als Kanzler, wer wäre vielleicht ein besserer Vizekanzler? Und wie harmonieren die Politiker miteinander?

  • Spitzenkandidaten der Nationalratswahl 2017

Sebastian Kurz: Als Kanzler verträgt Kurz sehr gut einen eher angepassten Vize wie Strolz, jedoch niemanden mit zu starken Führungsallüren. Strache könnte eine passende Ergänzung sein, wenn die Rollenverteilung exakt abgesprochen ist. Im Spiel müsste Kurz den "Good Cop" mimen und Strache den "Bad Cop".

Kurz mit Strolz: Sebastian Kurz ist als Person für die Kanzlerrolle geeignet. Allerdings fällt es ihm recht schwer, sein Konkurrenzdenken auszublenden. Er bräuchte daher einen angepassten Partner wie Matthias Strolz. Interessant: Der NEOS-Chef war sein allererster Rhetorik-Trainer!

Ulrike Lunacek: Sie hat eindeutig Kanzler-Qualitäten, würde sich aber möglicherweise aufgrund ihrer Offenheit leicht angreifbar machen. Als Vizekanzlerin versteht sich Lunacek rein von ihrer Persönlichkeit her sowohl mit Kurz, als auch mit Pilz und - interessanterweise - mit Strache, weil sie durch ihre Ethik und Einsatzkraft für konstruktive Ergebnisse sorgt.

Lunacek mit Kurz: Als Kanzlerin wäre Ulrike Lunacek wegen ihrer Offenheit vielleicht zu angreifbar. Als Vizekanzlerin sorgt sie aber für die nötige Rückendeckung - an der Seite von Sebastian Kurz wäre sie eine starke und sehr gerechte Mitspielerin.

Heinz-Christian Strache: Er braucht als Kanzler jemanden, der ihm mit Optimismus zuarbeitet: Zu allererst passt hier wieder Strolz. Mit Kurz als Vize sind Machtkämpfe vorprogrammiert. Mit Pilz ergäbe sich eine explosive Mischung.

Strache mit Strolz: Ein optimistischer Vizechef könnte Heinz-Christian Strache als Kanzler stärken. Matthias Strolz bringt diese Grundeinstellung mit.

Matthias Strolz: Der NEOS-Chef könnte als angenehmer Koalitionär in zweiter Position wahrscheinlich mit allen anderen funktionieren. Mit ihm wäre sogar eine Dreier-Koalition denkbar, weil er das mittlere Lager mit dem rechten verbinden kann.

Strolz mit allen: Strolz ist das Multi-Koalitionstalent unter den Spitzenkandidaten! Als Kanzler fehlt dem NEOS-Chef womöglich das klare Führungsprofil. Dafür bietet er sich als angenehmer Junior-Regierungschef an. Er kann mit allen. Sogar eine Dreier-Koalition wäre mit ihm möglich.

Peter Pilz: In einer Koalition könnte sich Strolz als Zweiter gut einbringen. Wenn er mit Lunacek eine Koalition einginge, wäre das Risiko von Auseinandersetzungen gerade noch verkraftbar. Mit Strache wären gröbere Differenzen wahrscheinlich.

Pilz mit Strolz: Peter Pilz beweist Führungsstärke. Als Kanzler kann er funktionieren, sein kantiger Charakter setzt jedoch einen ausgleichenden Partner voraus - auch hier kann Strolz punkten.

Othmar Hill und Alexandra Halouska, Kronen Zeitung/red

Der HILL-Test: Die "Krone" und die renommierte Beraterfirma HILL baten die Spitzenkandidaten im Rennen um die Kanzlerschaft zum großen Persönlichkeits-Check "Wer kann Kanzler?". Bei einem Online-Test bewerteten die Politiker mehr als 300 Aussagen. Die anonymisierten Daten wurden vom Wirtschaftspsychologen Othmar Hill ausgewertet. Notar Georg Schreiber beglaubigte die anonyme, objektive Beurteilung.

Die Ergebnisse des HILL-Tests:

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