Strolz im Wahlstudio

11.10.2017 20:15

"Sebastian Kurz braucht NEOS als Bewegungshilfe"

Darf man den jüngsten Umfragen Glauben schenken, dann könnte die Silberstein-Affäre den Kleinparteien keinen wesentlichen Aufwind beschert haben. Daher kämpfen Grüne, Peter Pilz und NEOS weiterhin um den Einzug bzw. Verbleib im Parlament. NEOS-Chef Matthias Strolz ist sich sicher, dass seine Bewegung es schaffen wird. Und das ist aus seiner Sicht auch bitter nötig, denn die ÖVP von Sebastian Kurz "braucht eine Bewegungshilfe", wie er am Dienstag im Gespräch mit "Krone"-Innenpolitik-Experte Claus Pándi und Moderator Gerhard Koller verriet. Damit meinte Strolz naturgemäß seine Partei, die er auch als "Wegbereiter" für andere ähnliche Bewegungen sieht.

"Wir sind sicherlich ein Stück weit Avantgarde. Ich glaube auch, dass wir den Boden aufbereitet haben für solche Bewegungen. Einen Sebastian Kurz gäbe es nicht in dieser Form, wenn wir nicht da gewesen wären", meinte ein überzeugter NEOS-Frontmann, der sogar ein gemeinsames Bündnis nach dem Vorbild des französischen Präsidenten Emmanuel Macron mit Kurz eingehen wollte. "Aber nur mit Sebastian Kurz, nicht mit der ÖVP", stellte Strolz klar. Da aber Kurz die "alten Strukturen nicht loslassen" wollte, sei dieses Vorhaben gescheitert.

  • NEOS-Frontmann will ein "Stachel im Sitzfleisch" der Regierung sein.

Angesprochen auf die unterschiedlichen Erfolgsaussichten seiner pinken Truppe und der neuen ÖVP, die wohl als Erster über die Ziellinie laufen dürfte, meinte Strolz: "Ich bin ein sehr großzügiger Mensch. Ich gönne jedem Menschen, der Kanzler werden will, dass er das wird. Das ist eine große Aufgabe. Aber ich bin mir auch sicher, der Herr Kurz braucht echt eine Bewegungshilfe. Und die kann auch nur eine starke NEOS-Opposition mit einem tiefen langen Stachel im Sitzfleisch dieser Herren sein."

  • Matthias Strolz im Gespräch mit Moderator Gerhard Koller und "Krone"-Innenpolitikexperte Claus Pándi

Von Sprachbildern, geschützter Marke und Gebärdensprache
"'Enkelfit', 'Fürsten der Finsternis' und jetzt der 'Stachel'. Woher kommen eigentlich diese Dinge? Fallen sie Ihnen einfach ein?", wollte in diesem Zusammenhang "Krone"-Journalist Pándi wissen. "Ich mag Sprachbilder. Ich finde es wichtig, in Bildern zu sprechen. 'Flügel heben' sollte sogar als Wortbildmarke geschützt werden", begründete der gebürtige Vorarlberger, der auch voller Stolz beschrieb, wie er für Gehörlose in der Gebärdensprache dargestellt werde: mit ausgebreiteten Armen, die Flügel symbolisieren sollen.

Keineswegs kämen solche Sprachbilder allerdings vom Polit-Berater der NEOS, der laut Strolz die Wahlkampagne der Pinken unentgeltlich betreut: "Er sitzt in Sofia und kann die deutsche Sprache gar nicht." Der Berater, der solche Aufgaben für zehn bis zwölf Parteien in Europa übernimmt und von der Allianz der Liberalen Demokraten im EU-Parlament über Mitgliedsbeiträge finanziert wird, hat laut Strolz "nichts Guruhaftes" an sich. "Ich halte auch nichts von dieser Guru-Nummer. Das ist ja höchst suspekt." Seine Partei würde auch nie "Dirty Campaigning" bestellen. Auf Angebote von Leuten, die ihm sagten, Schmutzkübelkampagnen gehörten heutzutage zu Wahlkämpfen, antworte er stets: "Haut euch über die Häuser. Ich mache das nicht."

"Griss ist meine politische Lebensabschnittspartnerin"
Voll des Lobes wegen ihrer Karriere und der Entscheidung, "dem System die Stirn zu bieten" und für keine große Partei zu kandidieren, war Strolz für die ehemalige Höchstrichterin und Präsidentschaftskandidatin Irmgard Griss: "Sie war die erste Frau in dieser Funktion (OGH-Präsidentin, Anm.). Sie ist eine Selfmade-Woman. Ich habe großen Respekt und ich bin stolz, dass sie politisch meine Lebensabschnittspartnerin ist."

  • Matthias Strolz und Irmgard Griss beim NEOS-Wahlkampfauftakt Anfang September

Warnung vor "Freak-Treffen" in Wien
Strolz warnte im Wahlstudio vor der "Bedrohung" einer schwarz-blauen Regierung - und dies erneut mit einer sehr bildhaften Sprache: Sollte Kanzler Kurz, flankiert von einem "Polizeiminister Strache und einem Außenminister Hofer", bei einem großen Treffen ihrer Parteifreunde in Wien mit Viktor Orban, Jaroslaw Kaczynski, Marine Le Pen und Geert Wilders zusammenkommen, wäre das ein "politisches Freak-Treffen". Das brauche man nicht in Wien.

Die bisherigen Gäste im "Krone"-Wahlstudio:

Gabor Agardi
Redakteur
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