Hilfe annehmen

10.10.2017 06:00

Seelische Krisen kann man meistern!

Studien zufolge trifft heute bereits jeden Dritte einmal pro Jahr zumindest eine psychische Störung. Seelische Krisen sind in Österreich mittlerweile nicht nur für ein Viertel der gesamten Krankheitslast verantwortlich, sie nehmen auch weiter zu. Doch es gibt Hilfe, wenn man sie annimmt.

Seelische Leiden werden immer noch tabuisiert und stigmatisiert. Zu diesem ernüchternden Befund kommt Prof. Univ.-Doz. Dr. Werner Schöny, Präsident des Dachverbandes der Vereine für psychische und soziale Gesundheit, "pro mente Austria", anlässlich des internationalen Tages der seelischen Gesundheit am 10. Oktober: "Obwohl ein Drittel der Gesellschaft mit psychischen Erkrankungen zu kämpfen hat, schämen sich die Betroffenen und haben Angst, öffentlich darüber zu sprechen. Sozialer Rückzug und Vereinsamung sind häufig die Folgen”, fasst Prof. Schöny zusammen. Dass das nicht nur für die Patienten, sondern auch für die Gesellschaft belastend ist, beweist unter anderem der Blick auf ansteigende Frühpensionierungen und zunehmende Krankenstände.

So zeigt ein OECD-Vergleich der europäischen Länder, dass hierzulande besonders viele Menschen wegen seelischer Erkrankungen vorzeitig in Pension gehen (zu 32,5 Prozent der Grund für die Gewährung) und sich die Zahl der Krankenstandsfälle mit psychischen Diagnosen laufend erhöht, nämlich beinahe verdreifacht hat. "Gesundheitsförderung, Prävention und eine möglichst frühzeitige Behandlung verhindern spätere Langzeitfolgen, häufige Krankenstände oder gar Berufsunfähigkeitspensionen", betonen deshalb NÖ Ärztekammerpräsident Dr. Christoph Reisner, MSc und Gesundheitsexperte Dr. Bernhard Rupp von der Niederösterreichischen Arbeiterkammer.

Rasch einen Facharzt aufsuchen!
Prof. Schöny plädiert dafür, sich bei psychischen Leiden nicht anders zu verhalten als bei jeder anderen Krankheit auch. "Niemand wird zögern, einen Arzt zu rufen, wenn jemand an Herzrhythmus-Störungen leidet. Genauso sollte schnelle und professionelle Hilfe immer das oberste Gebot sein, wenn seelische Krisen auftreten." Um Betroffenen und ihren Angehörigen diesen Schritt zu erleichtern, legt "pro mente Austria" zum Internationalen Tag der seelischen Gesundheit eine neue Broschüre mit dem Titel "Erste Hilfe für die Seele - Rat und Hilfe bei psychischen Problemen” vor. "Vorbeugende Maßnahmen sind für die psychische Gesundheit besonders wichtig”, so Prof. Schöny. "Unser niedrigschwelliges Informationsangebot soll helfen, sich zu orientieren und mehr Klarheit in die eigene Psyche bringen."

Eva Greil-Schähs, Kronen Zeitung

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