Brachialer Hybrid-V8

03.10.2017 04:26

Porsche Panamera ST: Erst auf den Hintern schauen

Wer einer Schönheit auf den Hintern schaut, gilt als Macho ohne Manieren. Im Fall des Porsche Panamera Sport Turismo kann man das aber niemandem verdenken. Zwar ist auch die Limousine deutlich schöner als ihre Vorgängerin, doch das, was offiziell niemand Kombi nennt, ist noch besser gelungen. Und der neue V8-Turbo-Plug-in-Hybrid, der nun auch im ST eingesetzt wird, raubt einem vollends den Atem.

Der ST emanzipiert sich ab der B-Säule komplett von der viersitzigen Sportlimousine und läuft in ein Heck aus, das anderswo Avant heißen würde. Das Dach geht über in einen adaptiven Dachspoiler, der je nach Fahrmodus früher oder später weiter oder weniger weit ausfährt und dadurch entweder den Verbrauch oder den Abtrieb verbessert.

Das Ganze wirkt so stimmig, dass man auf den ersten Blick nicht weiß, ob man vor der Limousine oder vor dem Sport Turismo steht. Den deutlich gesteigerten Nutzwert (Nutzwert! Wie unsexy das klingt!) sieht man ihm jedenfalls nicht an. Dabei geht es um mehr als um 50 Liter mehr Kofferraumvolumen. Die Ladekante ist flach wie die Ladefläche bei (dreigeteilt) umgeklappten Rücksitzlehnen, es passen 425 bis 1295 Liter hinein.

Offiziell ist der Ausdruck verpönt, aber sogar Porsche-intern bricht man es auf ein "vulgo Kombi" herunter. Andererseits trifft es "Sport Turismo" ganz gut. Offiziell dürfen in dem 4-plus-1-Sitzer fünf Personen einsteigen, faktisch reisen vier sehr kommod - und das gerne mit Gepäck und gerne weit.

Neues Top-Modell
Auch beim Antrieb hat Zuffenhausen aufgestockt und sich beim Porsche 918 Spyder bedient. Die etwas sperrige Bezeichnung "Porsche Panamera Sport Turismo Turbo S e-Hybrid" ist das einzig Sperrige an dem Brachial-Sportwagen: Sein 550 PS starker Vierliter-BiTurbo-V8 wird ergänzt durch einen 136-PS-Elektromotor samt aufladbarer Lithium-Ionen-Batterie mit 14,1 kWh - macht 680 PS Systemleistung und 850 Nm -drehmoment (bei 1450 bis 5500/min.), die an alle vier Räder geleitet werden. Praktisch aus dem Stand macht der Antrieb so die 2,3 Tonnen Leergewicht vergessen. 3,4 Sekunden bis Tempo 100, maximal 310 km/h (abgeregelt). Im Sport+-Modus lädt der Verbrenner immer möglichst viel Saft in die Akkus, damit möglichst die volle Performance möglich ist.

Dafür, dass einem nicht nur beim Beschleunigen die Luft wegbleibt, sondern dauerhaft auch beim Bremsen, sorgt die serienmäßige Carbon-Keramik-Anlage. Erstaunlich ist das leichtfüßige Fahrverhalten, Adaptivdämpfer, elektrische Wankstabilisierung und Luftfederung sind serienmäßig, Hinterradlenkung kostet knapp 2000 Euro (serienmäßig bei der Langversion "Executive").

  • Beim Turbo e-Hybrid sind Carbon-Keramik-Bremsen serienmäßig.

Doch man muss nicht zwingend sportlich fahren, der V8-Hybrid kann auch leise Töne anschlagen. Im Hybdrid-Modus ist der V8 kaum zu hören, da sind auch einstellige Verbrauchswerte möglich. Rein elektrisch sind beachtliche 140 km/h möglich, wobei man sich im E-Modus in der Regel darauf verlassen kann, dass der Benziner sich nicht dazuschaltet, es sei denn, es geht stark bergauf oder der Akku zur Neige. Die offizielle Reichweite von 49 km wird man wohl kaum erreichen, aber gefühlsmäßig sind mehr als 30 km selbst mit lustigem Gasfuß möglich.

  • Beim klassischen Panamera ist die Ladekante höher und der Kofferraum kleiner.

Im Gegensatz zu Hybridkonzepten anderer Hersteller muss man nicht auf Tankvolumen verzichten. Dank des 80-Liter-Tanks geht die Reichweite auch dann in Ordnung, wenn einen auf deutschen Autobahnen der Hafer sticht.

Wegen der NoVA-Befreiung (3,0 Liter Normverbrauch) gibt's die Hybrideinheit gewissermaßen gratis - mehr noch: der Turbo S e-Hybrid ist 3000 Euro billiger als der Turbo. 192.059 Euro sind aber dennoch leider nicht für jede Familie tauglich.

  • Kleiner, feiner Unterschied am Heck: links der ST, rechts der klassische Panamera

Auch der Einstiegs-Hybrid ist eine Empfehlung wert
Bei all der V8-Power sollte man durchaus auch den "normalen" Hybrid eines Blickes würdigen. Im Panamera 4 e-Hybrid arbeitet der genannte E-Motor mit einem 330 PS starken 2,9-Liter-Turbo-V6 zusammen, was eine Systemleistung von 462 PS und ein Systemdrehmoment von 700 Nm generiert. Der Motor klingt sportlich und etwas lauter als der V8; in Sachen Beschleunigung lässt er kaum Wünsche offen, 4,6 Sekunden für den Standardsprint und 275 km/h Maximalgeschwindigkeit stehen im Datenblatt.

Auch hier gibt es 49 km E-Reichweite und 140 km/h elektrisches Maximaltempo. Und auch hier gilt: Elektroantrieb gratis dank NoVA-Befreiung.

Unterm Strich
Der Sport Turismo ist schöner und praktischer, außerdem mit ein paar Tausend Euro nicht grundlegend teurer. Und er ist einzigartig, es gibt nichts Vergleichbares. Schon gar nicht mit dem Top-Antrieb, dem Turbo S e-Hybrid. Wenn Kontostand und Familie mitspielen - kaufen!

Warum?

  • Vor allem beim ST Turbo S e-Hybrid erstaunliche Bandbreite zwischen entspannt-sparsamem Gleiten und Sportspaß, der nicht überfordert

Warum nicht?

  • Der Spaß muss einem schon was wert sein.

Oder vielleicht …

… Audi RS6 Avant, Mercedes-AMG E 63 S T-Modell, aber eigentlich ist der ST Turbo e-Hybrid konkurrenzlos.

Stephan Schätzl
Redakteur
Stephan Schätzl
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