Kern & Co. am Limit

30.09.2017 07:07

Die Spitzenkandidaten auf dem Weg ins Burn-out

Die Spitzenkandidaten arbeiten im Wahlkampf weit mehr, als gesund ist: 15 Stunden pro Tag, 105 pro Woche, zehn Wochen lang. Zu viel Stress bringt aber erschreckende Folgen mit sich. Die "Krone" befragte einen Arzt und einen Psychologen. Lesen Sie hier eine Analyse dieser außergewöhnlichen Belastungen.

Wir haben uns bei den sechs Spitzenkandidaten umgehört - und sind auf unglaubliche Zahlen gestoßen. Bis zu zehn Wochen dauert der Wahlkampf bei den Parteien, 15-Stunden-Tage sind die Regel, sieben Tage pro Woche wird um Stimmen gebuhlt. Eine außergewöhnliche Belastung, die weit über die Grenzen geht.

Dr. Lukas Brandner, der zumeist Profisportler betreut, erklärt: "Das Herz-Kreislauf-System wird bei solch einer Belastung über so lange Zeit angegriffen. Würde einer der Spitzenkandidaten vor dem Wahlkampf und danach eine Leistungsdiagnostik machen, würde es da garantiert signifikante Unterschiede geben."

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Zu wenig Schlaf: "Wie jeden Tag ein Jetlag"
Auch der Psychologe und Experte für Burn-out-Prävention, Mag. Christian Czihak, bekräftigt: "Man kann sich das in etwa so vorstellen, als hätte man jeden Tag Jetlag. Die Kandidaten schlafen schon prinzipiell zu wenig bei diesem Zeitplan - und ich bin mir ziemlich sicher, dass sie die Anspannung nicht sofort einschlafen lässt."

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Stressniveau ständig erhöht
Nicht nur die zeitliche Belastung ist immens, sondern auch der ständige Druck. Brandner: "Psychischer Stress wirkt sich auf den Körper erwiesenermaßen genauso aus wie körperlicher. Dadurch, dass diese Personen eigentlich rund um die Uhr im Rampenlicht stehen, ist das Stressniveau ständig erhöht, was über zehn Wochen kaum auszuhalten ist. Solch einen Wahlkampf kann ein Körper vielleicht alle drei, vier Jahre wegstecken, ohne wirklich Langzeitfolgen zu spüren. Aber öfter würde ich keinem Menschen dazu raten. Das Immunsystem wird bei solchen Belastungen sehr geschwächt."

Was sind die Folgen der ständigen Überbelastung? Da liefert Czihak sofort die Antworten: "Relativ schnell setzt der Tunnelblick ein. Sprich: Der Mensch nimmt nicht mehr alles um sich so wahr wie normalerweise. Man wird emotional dünnhäutig, unsicher. In solchen Situationen sagt man auch zu oft Ja zu Dingen, die man im Normalfall ablehnen würde. Gleichzeitig wird man lustlos. Ja, man befindet sich ganz klar auf dem Weg ins Burn-out."

Koffein, Alkohol und ungesundes Essen
Was meist auch noch hinzukommt in solchen Phasen sind scheinbare Bewältigungsstrategien: "Klassiker sind Koffein, Zigaretten, Alkohol, ungesundes Essen", erklären die beiden. Und was können die Spitzenpolitiker präventiv tun, um den Wahlkampf heil zu überstehen? Die Fachmänner erklären: "Ein Riesenvorteil ist es, wenn man eine gute Einteilung hat. Sprich: Wie beim Marathon sollte man wissen, wann und wo wie viel Kraft investiert wird, um bestmöglich über die Ziellinie zu kommen."

Max Mahdalik, Kronen Zeitung

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