Kühl statt zugig

27.09.2017 17:04

Die Stärken und Schwächen des Audi A5 Cabrio

Autofahrer sollten grundsätzlich nüchtern sein - bei Audi gilt das auch für die Autos selbst, sogar bei der eigentlich eher emotionalen Gattung der Cabrios. Mein Testwagen, der Audi A5 Cabriolet 2.0 TDI mit 190 PS, ist so kühl, dass ich mich wundere, warum der SCR-Kat die Abgase nicht zu Eiswürfeln reinigt.

Natürlich ist das A5-Cabrio ein bildschöner Vertreter seiner offenen Art. Die von Sicken durchzogene Motorhaube lässt die Front fast spitz zulaufen und treibt den Wagen optisch nach vorn. Die Seitenlinie schwingt sich wie beim A5 Coupé in einer Welle Richtung Heck, wo eine integrierte Abrisskante für einen klaren Abschluss sorgt.

Mit 4,67 m ist die aktuelle Version fast fünf Zentimeter länger als der Vorgänger, jedoch etwas schmäler - vielleicht ist das der Grund für den Eindruck, eine Klasse darunter unterwegs zu sein. Oder es liegt daran, dass der A5 einfach sehr schlank gezeichnet ist, denn faktisch ist er länger und breiter als etwa ein BMW-4er-Cabrio. Schlank ist gut in schweren Zeiten. Leicht auch: 1690 kg Leergewicht (ohne Fahrer) sind Klassenbestwert.

Bei den Cabrio-Eigenschaften macht der A5 alles richtig: Das Verdeck besteht aus Stoff und ist serienmäßig ein sogenanntes Akustikverdeck, das (wenn geschlossen) die Innenraumgeräusche fast auf Limousinenniveau hält. Das Öffnen und Schließen dauert jeweils weniger als 20 Sekunden und ist sogar bis 50 km/h möglich, wodurch der kürzeste Ampelstopp dafür reicht. Wunderbar auch im Fall eines plötzlichen Platzregens. Auch während der Verdeckbewegung bleibt die Rückfahrkamera voll aktiv, man kann also locker rangieren, wenn man es schafft, die Verdecktaste durchgehend zu betätigen.

Sehr komfortabel: Die Abdeckhaube im 380 Liter großen Kofferraum senkt sich von allein (wenn genügend Platz ist), man muss also nicht selbst daran denken. Die vier Seitenfenster lassen sich mit einem kurzen Tipp an den Zentralschalter gleichzeitig öffnen bzw. schließen.

Dass der Testwagen im Zuge der Verdeckbedienung ein unberechenbares Ballett mit den Seitenscheiben aufgeführt hat, soll ein Update der Steuerungssoftware behoben haben.

  • Wie in Cabrios dieser Klasse üblich befinden sich hinten die billigen Plätze.

Kräftiger Motor mit tiefem Turboloch
Die Diskussion, ob ein Dieselmotor zu einem Cabrio passt, ist noch immer nicht abgeschlossen, aber der Vierzylinder des Testwagens ist immerhin leise und anders, als das früher war, ziehen in Zeiten sauberer Euro-6-Diesel auch nicht ständig stinkende Dieselabgasschwaden um die Nasen der Frischluftjünger.

Prinzipiell sind auch Leistung und Drehmoment absolut adäquat, wir sprechen von 190 PS und maximal 400 Nm ab 1750/min. Allerdings ist die Leistungsentfaltung unten herum sehr unharmonisch, der Motor kommt, langsam, aber gewaltig. Auf Deutsch: Wenn man Gas gibt, rührt sich erst einmal wenig, bevor dann unvermittelt die Vorderräder zu zerren anfangen. Allradantrieb ist für diesen Motor nicht verfügbar.

Hält man den TDI aber bei Laune, lässt es sich herrlich entspannt auf dem Drehmoment surfen. In 8,3 Sekunden erreicht man mit der serienmäßigen Siebengang-Doppelkupplungsautomatik Tempo 100, die Höchstgeschwindigkeit beträgt 232 km/h. Den Testverbrauch von 6,8 l/100 km müsste man durchaus drücken können, die Normangabe liegt bei 4,7 l/100 km.

  • Die Armlehne ...
  • ... ist längs- ....
  • ... und höhenverstellbar. Darunter kann optional ein Handy induktiv geladen werden.
  • Der freundliche Gurtbringer lässt die Schnalle manchmal durchrutschen.
  • Nicht alle Gummis bleiben gerne da, wo sie hingehören.

Säuseln im Sturm
Auch bei stürmischer Fahrt geht es im Innenraum recht ruhig zu. Trotzdem habe ich bei eigentlich nicht sonderlich frostigen 20 Grad Lufttemperatur kalte Füße. Die Luft zieht kühl in den Fußraum, aber es lässt sich nicht die komplette Heizleistung nach unten richten. Die Körper-Luftdüsen bekommen immer die meiste Gebläseluft ab.

Wer bei geöffnetem Verdeck telefonieren möchte, wird sich darüber freuen, dass das Mikrofon serienmäßig am Gurt angebracht ist.

Unterm Strich
Der Audi A5 Cabrio ist ein Auto für genussaffine Menschen, die nicht gerne dick auftragen. Der kühle Style eckt nicht an. Die Preisliste für den Diesel beginnt bei 50.190 Euro (190-PS-Benziner: 46.820 Euro), der Testwagen kommt auf 68.000 Euro. Was ihm unbedarfte Passanten nicht ansehen. Mit dabei sind hier u.a. LED-Scheinwerfer statt der serienmäßigen Xenon-Leuchten, die "MMI Navigation plus" samt - LTE-Modul und WLAN-Hotspot (Online-Services Audi connect für drei Jahre kostenlos). Wer gerade keine Eiswürfel zur Hand hat - mit dem A5 Cabrio wird's sofort kühl.

Warum?

  • Cabrio-Funktionen perfekt umgesetzt
  • Unaufdringliche Ausstrahlung

Warum nicht?

  • Turboloch beim 190-PS-Diesel

Oder vielleicht

… BMW 4er Cabrio, Mercedes C-Klasse Cabrio

Stephan Schätzl
Redakteur
Stephan Schätzl
Mehr Storys
Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).